Weggefährte
Begegnung zweier Pioniere
Reiner Michelfelder und der Fotograf Peter Keetman — eine außergewöhnlich fruchtbare Partnerschaft der frühen 1950er-Jahre.

Zu den spannendsten Kapiteln im Schaffen Reiner Michelfelders gehört seine Zusammenarbeit mit dem Fotografen Peter Keetman. Keetman, Mitbegründer der legendären Fotografengruppe „fotoform“, gilt heute als einer der bedeutendsten deutschen Nachkriegsfotografen und als Wegbereiter der experimentellen Fotografie.
Zwischen 1950 und 1953 arbeiteten beide Künstler in München in der Agentur „werbeform“ zusammen. Bereits 1948 hatte Peter Keetman seine berühmten Pendelbilder entwickelt — durch Licht und Bewegung erzeugte Schwingungen, die zu Ikonen der modernen Fotografie wurden.
Michelfelder erkannte früh das gestalterische Potenzial dieser Bildwelten. Während Keetman die fotografischen Schwingungen sichtbar machte, entwickelte Michelfelder daraus neue grafische Kompositionen, Werbemotive und Designsysteme. Er kolorierte, kombinierte und transformierte die fotografischen Strukturen zu einer eigenständigen Formensprache. Viele der erhaltenen Arbeiten zeigen deutlich, dass Michelfelder innerhalb der Zusammenarbeit vor allem den künstlerisch-konzeptionellen Part übernahm und die fotografischen Experimente in neue gestalterische Zusammenhänge überführte.
Die überlieferten Briefe und Werke dokumentieren eine außergewöhnlich fruchtbare Partnerschaft. Keetman würdigte Michelfelder später nicht nur als geschätzten Kollegen, sondern auch als einen Menschen, dessen Arbeit und Unterstützung ihn über viele Jahre begleitet habe.
Rückblickend erscheint diese Begegnung wie das Zusammentreffen zweier Pioniere: hier der Fotograf, der Licht in Bewegung verwandelte, dort der Gestalter, der daraus neue visuelle Welten erschuf. Gemeinsam schufen sie Arbeiten, die weit über klassische Fotografie oder Grafik hinausweisen und bis heute erstaunlich modern wirken.